Siedlungsgeschichte

Die Entstehung der 

Genossenschaft der Fritz-Schumacher-Siedlung Langenhorn eG

Die Idee, die Fritz-Schumacher-Siedlung in Form einer Mietergenossenschaft selbst zu verwalten, wurde Ende der 80iger Jahre geboren,  und zwar genau zu der Zeit, als die Stadt aus Geldmangel damit begann, verschiedene Liegenschaften zu verkaufen. Hinzu kam, dass die Bewohner der Fritz-Schumacher-Siedlung auf Weisung des Senats von der SAGA, der damaligen Verwaltungsgesellschaft,  eine kräftige  Mieterhöhung in Höhe von 20% erhielten. 

Auf der Mitgliederversammlung wurde der damals amtierende Vorstand beauftragt, mit der SAGA über die unangemessene Mieterhöhung zu verhandeln. Es wurden darauf hin viele Gespräche mit der SAGA und verantwortlichen Politikern geführt. Der Vorstand musste die Gesprächspartner davon überzeugen, dass die Siedlung sich ohne die erbrachten Eigenleistungen der Bewohner wohl kaum in diesem ansehnlichen Zustand befinden würde.

Der Vorstand lud den damaligen Bausenator und Aufsichtsratvorsitzenden der SAGA Herrn Senator Eugen Wagner zu einem Ortstermin ein, um ihm einmal vor Ort die Siedlung vorzustellen und verschiedene Wohnungen zu zeigen, nämlich einige wenige, die sich noch im Urzustand befanden und zum Vergleich verschiedene grundrenovierte Wohnungen, in die die Bewohner sehr viel Geld investiert hatten. 

Im Anschluss an dieser Begehung, bei einer Tasse Kaffee, erklärte der Vorstand dem Senator, dass er sich mit dem Gedanken befasse, die Siedlung in Form einer Genossenschaft selbst zu verwalten. Da Senator Wagner von unserer Idee recht angetan war, sagte er uns seine Unterstützung zu.

Nach immer wieder erneutem Nachfragen bei der Regierung, wie sie denn nun zu dem Genossenschaftsgedanken stünde und der Mitteilung, dass der Vorstand der Gemeinschaft vorhätte, dieses Thema auch öffentlich zu diskutieren, kam im März 1989, genau zwei Tage vor der anstehenden Mitgliederversammlung und drei Monate nachdem der Bausenator die Siedlung besucht hatte, Finanzsenator Krupp nach Langenhorn, um sich ein Bild zu machen und mit dem Vorstand über eine mögliche Selbstverwaltung zu sprechen. Der Senator bot an, mit den zuständigen Beamten der Liegenschaftsverwaltung aus der Finanzbehörde Gespräche zu führen. Kurze Zeit später gab die Finanzbehörde über das Ergebnis eine Presseerklärung heraus.

Der erste Schritt war getan. Es folgten noch viele Gespräche, bevor ein endgültiges klar definiertes Konzept vorgelegt werden konnte. Auch die Bewohner kamen zu Wort. Eine Fragebogenaktion wurde durchgeführt. Eines war jedoch für alle klar, die soziale Struktur der Siedlung musste erhalten bleiben, niemand sollte wegen zu hoher Mieten oder zu geringem Kapitalbesitz ausziehen müssen. Sicher war die Idee verlockend, die Grundstücke mit den Häusern darauf, zu kaufen oder in Erbpacht zu übernehmen, aber für den Großteil der Bewohner war dies nicht finanzierbar.

Nachdem viele Möglichkeiten diskutiert wurden, in welcher Form die Siedlung sich selbst verwalten könnte, wurde bereits recht früh mit dem Gedanken gespielt, die Siedlung durch eine Verwaltungsgenossenschaft von der Freien und Hansestadt zu mieten. Ein solches  Modell gab es bisher weder in Hamburg und noch im gesamten Bundesgebiet. Der Entwicklungsprozess war daher sehr schwierig und langwierig. Fachleute wurden hinzugezogen, die an einer Verwirklichung dieses Gedanken mit arbeiteten. Dann im September 1989 erhielt der Vorstand der Gemeinschaft  ein konkretes Angebot von Senator Krupp mit folgenden Eckdaten:

- Der Mietvertrag läuft über 30 Jahre mit einer Option auf weitere 10 Jahre.
- Die Stadt erhält 25% der Grundmiete als Miete.
- 65% der Grundmiete sind für Instandsetzung/-haltung vorgesehen.
- Für Eigenleistungen werden 15% von einer noch auszuhandelnden Mietenspiegelmiete in Abzug gebracht.
- Die Genossenschaft verpflichtet sich, die soziale Struktur der Siedlung zu erhalten.
- Die Genossenschaft hat sicherzustellen, dass die Siedlung im Sinne Fritz Schumachers erhalten wird und dass die Gestaltungsregeln Gültigkeit behalten.

Die Gestaltungsregeln wurden mit dem Denkmalschutzamt und der SAGA anstatt eines "richtigen" Denkmalschutzes, der nicht finanzierbar war, ausgehandelt. Sie regeln die äußeren Veränderungen der Siedlung.

Aufgrund dieses Angebotes von Seiten der Stadt lud der Vorstand der Gemeinschaft alle Mitglieder zu einer außerordentlichen Hauptversammlung ein. Die Resonanz  war unerwartet groß. Weit über 500 Personen kamen zur Versammlung, um sich ausführlich über die aktuelle Sachlage zu informieren. (Bei normalen Mitgliederversammlungen zählte man bisher max. 250 Personen). Der Antrag, wonach der Vorstand zu einer Versammlung zur Gründung einer Genossenschaft einladen sollte, wurde letztendlich gegen 5 Nein-Stimmen und 14 Enthaltungen angenommen. 

Am 16. November 1989, bereits sieben Monate nach dem Gespräch mit Senator Krupp, fand die Gründungsversammlung statt. Die Satzung wurde diskutiert und in eine endgültige Fassung gebracht, die Organe, Vorstand und Aufsichtsrat, wurden gewählt. Damit war die Genossenschaft in Gründung arbeitsfähig. Es folgten noch viele Gespräche und Verhandlungen mit der Liegenschaft, bis der endgültige Mietvertrag mit der Stadt unterschrieben werden konnte. 

Am 10. April 1990 wurde der Mietvertrag mit der Stadt unterschrieben und am 17. April 1990 ist die Genossenschaft i.G. in das Genossenschaftsregister eingetragen worden und heißt nun Genossenschaft der Fritz-Schumacher-Siedlung Langenhorn eG.

Am 1. Mai 1990 hat die Genossenschaft die Verwaltung der Siedlung von der SAGA übernommen. 

Die Verwaltung der Genossenschaft wird durch drei ehrenamtlich tätige Vorstandsmitglieder durchgeführt. Außerdem sind im Büro zwei fest angestellte Mitarbeiter für den kaufmännischen Bereich tätig. Unterstützt werden sie durch in der Siedlung wohnende Handwerker in Ruhestand.

 

 

 

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Stand: 21. Oktober 2015  
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