Siedlungsgeschichte

Die "Börner" 

Die ersten Bewohner der Siedlung waren "Großstadtkinder", Arbeiter und Angestellte, die den Entschluss gefasst hatten, weit vor den Toren der Stadt, für sich und besonders für ihre Kinder ein neues Leben aufzubauen. 

Dieser "Neubeginn" war bestimmt nicht einfach, denn schon bald stellte sich heraus, dass die neubezogenen Wohnungen nur zum Teil fertig waren. In manchen Räumen waren noch die Handwerker tätig. Gas und elektrisches Licht war nicht vorhanden. Etliche Baumängel kam erst später zum Vorschein. Es wurde immer wieder über Wasser in den Kellern geklagt, über durchschlagende Feuchtigkeit an Wänden und Dächern. Türverkleidungen lösten sich aus den Mauern, da zur Befestigung der Zargen Schlackensteine statt Holzklötze verwendet wurden. In verschiedenen Häusern waren Wasserleitungen auch bei geringem Frost schon eingefroren. Es gab noch viele andere gravierende Mängel am Bau, die nachträglich von den Bewohnern behoben werden mussten. 

Die Gärten waren die reinsten Schutthalden. Sie waren voller Bauschutt und Schlackenhaufen, man stieß auf Lorengleise, Bau- und Kalkgruben, Gerüste, Lehm- und Sandhaufen. 

Bewohner, die bei der damaligen Siedlungsverwaltung vorsprachen und um Unterstützung bei der Herrichtung ihrer Gärten baten, wurden schroff abgewiesen. 

Letztendlich legten die Bewohner selbst Hand an und machten aus den ehemaligen Müllhalden Gärten mit profitablen Ernteergebnissen. 

Schon früh erkannten die Bewohner, dass dieser "Neubeginn" mit viel Arbeit und großen Schwierigkeiten verbunden war. 

Was lag da näher als der Gedanke des Zusammenschlusses, um gemeinsam den Schwierigkeiten zu begegnen, um gemeinsam die Interessen zu wahren. Der einzelne war schwach, nur durch den Zusammenschluss aller konnte etwas erreicht werden. 

Die Siedlergemeinschaft Langenhorn e.V. - heute Gemeinschaft der Fritz-Schumacher-Siedlung Langenhorn e.V. - wurde gegründet.

Ein großes Problem bestand in der Beschaffung der notwendigsten Lebensmittel. Alles musste vom Dorf herangeholt oder aus der Stadt mitgebracht werden. Die einheimischen Dorfbewohner waren über die neuen Nachbarn nicht sehr erfreut und standen ihnen misstrauisch und ablehnend gegenüber. Auch die Bedienung durch einige ansässige Geschäftsleute war alles andere als freundlich. 

Die Kinder der Siedler besuchten in den ersten Monaten die Süderschule in Langenhorn, wo Sie nicht gerade mit offenen Armen empfangen wurden. Nachdem im Spätherbst 1920 das Verwaltungsgebäude fertiggestellt war, wurden dort vorläufige Schulräume eingerichtet. Im August 1921 wurde dann endlich die neue Pavillonschule eingeweiht. Bereits 1924 stellte es sich heraus, das der Schulbau als Ganzes verfehlt und die gesamte technische Ausrüstung mangelhaft war. 1927 reichte Schumacher die Entwürfe für einen Schulneubau ein. Die neue Siedlungsschule, heutige Fritz-Schumacher-Schule (Gesamtschule), konnte dann im Januar 1931 bezogen werden. 

Seit Januar 1918 fuhr eine Dampfbahn von Ohlsdorf nach Ochsenzoll. Nur wenige Züge verkehrten täglich auf der eingleisigen Strecke. Die Rund 4000 Bewohner der Siedlung hatten damit keine zureichende Verbindung zur Stadt, in der viele ihren Arbeitsplatz hatten. 

1921 war es endlich soweit: Die schon 1912 beschlossene elektrische Hochbahn konnte ihren Betrieb aufnehmen. 

Die Tangstedter Landstraße war anfangs noch ein Landweg, nur halb so breit wie heute, eine Kleinpflasterung erfolgte später und auch nur bis zur Hohen Liedt. Die Straße Richtung Norden ging steil bergan. Dies änderte sich erst in den dreißiger Jahren, als die SS-Kaserne (heutiges Klinikum Nord Heidberg) gebaut und der Berg abgetragen wurde. 

Zu beiden Seiten der Straße waren breite Knicks angelegt, ein herrlicher Spielplatz für die Kinder. Auch auf der Straße konnte gespielt werden, denn die damaligen Verkehrsmittel beschränkten sich auf Fahrräder und Blockwagen. Wer hatte damals schon ein Auto? Wegen der Besielung innerhalb der Fritz-Schumacher-Siedlung wurde 1927 die Tangstedter Landstraße aufgegraben.  

Eine einschneidende Veränderung erfuhr die Landstraße mit der Beseitigung der Knicks bei ihrer ersten Verbreiterung Anfang der fünfziger Jahre.  Heute ist der Verkehr auf der Tangstedter Landstraße so stark geworden, dass er die Siedlung praktisch in zwei Teile zerschneidet. 

Anfang der dreißiger Jahre gab es endlich genug Geschäfte in der Siedlung. Es gab einen Bäcker, einen Milch-, einen Krämerladen und eine Schlachterei, einen Futtermittelladen und ein Kohlenlager. Da das Geld wegen der starken Arbeitslosigkeit immer knapper wurde, versuchten die Börner so weit wie möglich, die Ernährung aus eigener Erzeugung sicher zu stellen, so wie es von Schumacher ursprünglich auch geplant war. 

Als der zweite Weltkrieg begann, waren die Börner in der Fritz-Schumacher-Siedlung auf Luftangriffe vorbereitet. Keiner konnte damals ahnen, dass große Teile Hamburgs in nur vier Bombennächten in Schutt und Asche sinken und eine Million Hamburger ihre Wohnungen verlieren würden. Immer mehr Obdachlose strömten aus Hamburg heraus, zu Fuß, mit Koffern oder Kartons, manchmal nur mit einem Mantel über dem Arm. Viele Börner nahmen Verwandte auf, fast jedes Haus brachte zusätzlich weitere Familien unter. 

Durch ein gütiges Geschick ist die Fritz-Schumacher-Siedlung im Vergleich zu anderen Hamburger Wohngebieten sehr glimpflich davon gekommen, denn Langenhorn blieb weitgehend von größeren Luftangriffen verschont. Die Spuren des Krieges wurden in Gemeinschaftsarbeit so gut es ging beseitigt. 

Im Laufe vieler Jahre haben die Bewohner viel Geld und Arbeit in ihre Wohnungen gesteckt. Sie haben auf eigene Kosten Bäder und Heizungen eingebaut und aus alten Häusern schmucke Heime gezaubert. Die Börner taten dies alles, weil ihnen diese Siedlung etwas bedeutete, weil ihnen diese Siedlung ans Herz gewachsen war und sie sich ein Wohnen und Leben woanders nicht vorstellen konnten und wollten. Viele Kinder, die nach der Heirat weggezogen waren, wollten wieder zurück in ihre Fritz-Schumacher-Siedlung ziehen.

In den sechziger Jahren wurden Stimmen laut, die besagten, dass die Siedlung abgerissen werden sollte, da für grundlegende Renovierungen an den Häusern, wie z.B. neue Dächer etc., kein Geld vorhanden war. Die Börner waren verunsichert, sie wollten keine weiteren Investitionen in den Wohnungen vornehmen, wenn nicht die Garantie gegeben wäre,  noch lange Zeit in den Häusern bleiben zu können. Nach langen Verhandlungen des Vorstandes der Gemeinschaft mit der SAGA, den zuständigen Gremien innerhalb der Behörden und Politikern, war die Absicht der Sanierung erst einmal vom Tisch. 

Auch heute noch, nach über 80 Jahren, wird das Gemeinschaftsleben, wie in den Anfängen der Siedlungsgeschichte, gepflegt. Seit Gründung der Mietergenossenschaft, deren Mitglieder die Bewohner der Siedlung sind,  ist es vielleicht etwas ruhiger geworden. Aber dennoch, es werden Kinderfeste, Tanzveranstaltungen, Flohmärkte und Ausfahrten organisiert und durchgeführt. Es gibt eine Laienspielgruppe, die zweimal im Jahr ihre Stücke aufführt. Die monatlich erscheinende Siedlungszeitung muss herausgegeben werden usw. usw. Voraussetzung für diese dem Gemeinschaftsleben fördernden Aktivitäten ist die Unterstützung und Mithilfe von vielen Helfern. Deshalb freuen sich die Organisatoren der Gemeinschaft über jeden, der seine Mithilfe anbietet. 

 

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Stand: 18. Oktober 2007  
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